24. April 1906 - DER TURNVEREIN „ FRIESEN“ wird gegründet

Bedingt durch den Aufschwung der örtlichen Industrie am Beginn des 20. Jahrhunderts kamen Menschen aus allen Teilen der Monarchie, besonders aus dem Sudetenland, nach Wattens. Sie brachten aus ihrer alten Heimat die Begeisterung für das Turnen mit, was schließlich zur Gründung des Turnvereins „Friesen“ am 24. April 1906 führte. An diesem für alle begeisterten Turnbrüder  denkwürdigen Tag wurde von den Herren Hugo Weis und Otto Peuker über Anregung von Herrn Franz Weis die Gründungsversammlung in den Gasthof „Greiderer“ einberufen. Vom Tiroler Turngau waren Gauobmann Dr. Erich Walde, Gauturnwart Max Margreiter und als Vertreter des Turnvereins Hall 1862 Bezirksturnwart Karl Oppl anwesend.
Nach einer kurzen Aussprache wurde die Gründung des Turnvereins Wattens beschlossen. Er erhielt den Namen „Turnverein Friesen Wattens“, der sich gleichzeitig dem Tiroler Turngau anschloss.
Aus den 26 an der Gründungsversammlung teilnehmenden Turnbrüdern wurde folgender Turnrat bestellt:

Obmann:  Hugo Weis
Obmannstellvertreter:  Franz Mark
Schriftführer:  Karl Mastera
Säckelwart:  Johann Rast
Turnwart:  Otto Peuker
Zeugwart:  Anton Scherer
Beiräte:  August Lenk, Emil Posselt, Max Gremminger, Josef Bichelmeier

Weiters waren folgende Gründungsmitglieder anwesend: Eduard Hoffmann, Franz Huber, Rudolf Kirchner, Albin Lessiak, Julius Markat, Johann Moritz, Thomas Posch, Alfred Posselt, Sebastian Schrott, Franz Schwaiger, Erwin Spazier, Josef Staudacher, Ernst Vogl, Otto Weis, Ignaz Wiedner und Otto Witsch.

Da zur Gründungszeit keinerlei Turngeräte zur Verfügung standen, wechselte der Schauplatz des Turnbetriebes ständig. Von der Glasschleiferei ging es im Sommer auf den Kohlergrund der Papierfabrik, im Winter landete man in der Glasveranda beim Greiderer, wo den Turnern auch ein Kneipplokal zur Verfügung gestellt wurde. Noch im Gründungsjahr 1906 stellte der Tiroler Turngau 1 Reck, 1 Barren und 1 Pferd gegen Abzahlung zur Verfügung, wodurch ein regelmäßiger und gut besuchter Turnbetrieb einsetzte. Dabei wurde dem Nachwuchs besonderes Augenmerk zugewendet.
Im Jahr 1907 traten sämtliche Turner der Ortsfeuerwehr bei und boten sich an, die Rettungsabteilung zu übernehmen. Schon am 23. März 1907 wurde von Turnwart Johann Rast und Turnbruder Emil Posselt der Antrag gestellt, den Bau einer Turnhalle ins Auge zu fassen und zu diesem Zwecke einen Baufonds einzurichten. Dank des Entgegenkommens des Herrn Franz Weis wurde es dem Verein ermöglicht, schon 1911 einen eigenen Grund um 4050 Kronen an der Bundesstrasse zu erwerben. Auf diesem wurde mit Unterstützung durch Herrn Willi Swarovski  zunächst eine Gerätehütte erbaut. Leider wurden alle zielstrebigen Aktivitäten durch den Beginn des 1. Weltkriegs unterbrochen. 50 Turnbrüder wurden schon bald zu den Waffen gerufen, 12 von ihnen sind nicht mehr in die Heimat zurückgekehrt.
Erst im Jahre 1919 konnte wieder die erste Jahreshauptversammlung durchgeführt werden. Großzügige Gönner, unter ihnen wieder besonders Franz Weis und Sebastian Schrott sowie die Fabriksherren des Ortes ermöglichten am 15. Oktober 1922 die Grundsteinlegung der eigenen Turnhalle am Kreuzbichl. Baumeister Sindhöringer, selbst ein Turnbruder, erstellte kostenlos die Pläne, Franz Weis stellte kostenlos das benötigte Bauholz aus seinem Waldbesitz am Glotzen zur Verfügung. In rastloser und uneigennütziger Arbeit griffen die Vereinsmitglieder zu, wobei das Holz am Glotzen selbst geschlägert und zu Tal geschafft wurde. Ebenso fertigten die Mitglieder die Ziegel selbst. Schon im Herbst des Jahres 1924 war der Bau beendet und wurde mit einem Probewettturnen des Turngaues Tirol eröffnet.  Es wäre jedoch ein Irrtum, anzunehmen, dass die ohnedies berufstätigen Turner und Turnerinnen neben der Arbeit an der Halle das Turnen vergessen hätten.  Sie vollbrachten die besten sportlichen Leistungen und statteten mit diesen Erfolgen  ihrer Fahnenmutter, Frau Fanny Weis, den Dank für die Patenschaft ab. In der Hauptversammlung 1924 wurden die Herren Franz Weis, Daniel Swarovski und Sebastian Schrott als besonders hochherzige Förderer des Vereins, besonders beim Bau der Turnhalle, zu Ehrenmitgliedern ernannt.
Im Juni 1928 konnte der Bühnenbau fertiggestellt werden, und im Laufe der nächsten Jahre kamen Kulissen und die erforderliche Beleuchtungsanlage dazu.  Damit erhielt die mittlerweile innerhalb des Turnvereins gegründete Theaterriege die Möglichkeit, durch ihre Aufführungen den Wattnern manch unbeschwerte Stunden zu bereiten. Auch prominente Theatergruppen wie die Exlbühne und die Klingenschmied-Bühne gastierten bei vollem Haus in der Wattner Turnhalle und waren von deren Einrichtungen begeistert. Auch eine Sänger- und Bergsteigerriege wurde  ins Leben gerufen. Das Kinderturnen wurde sehr gepflegt, und bald war der Turnverein Wattens einer der aktivsten im Gau Tirol. Einen schweren menschlichen Verlust erlitt der Turnverein am 10. Juni 1929 durch den plötzlichen Tod seines langjährigen Obmanns Rudolf Schmid, der den Verein durch acht Jahre geführt hatte. Er war mit Leib und Seele Obmann und führend am Gelingen des Turnhallenbaues beteiligt.
1931 konnte der Verein seinen 25-jährigen Bestand feiern. Ab diesem Jahr wurden von der Bergsteigerriege alljährlich Skitouren, Gaustaffelläufe und Skiwettkämpfe durchgeführt. Die politischen Wirren der Jahre 1934 bis 1938 konnten den Turnbetrieb wohl erschweren, die Begeisterung für den Turnbetrieb aber nicht schmälern. Je härter die Zeit war, umso fester rückten die Turner zusammen.
Der 2. Weltkrieg forderte auch unter den Turnern hohe Blutopfer: 72 ihrer Mitglieder kehrten als Gefallene oder Vermisste nicht mehr in die Heimat zurück. Während der Kriegsjahre diente die Turnhalle als Militärquartier, Lazarett und schließlich als vorübergehendes Wohnasyl für Banatdeutsche. Während dieser hausherrenlosen Zeit wurden nicht nur viele Geräte und Einrichtungsgegenstände zerstört oder verschleppt, auch die Halle wurde sehr in Mitleidenschaft gezogen. Nach Kriegsende wurde die Turnhalle von der Besatzungsmacht zum „Deutschen Eigentum“ erklärt und beschlagnahmt. Trotz all dieser Rückschläge war der Wille zur Neugründung des Turnvereins nie erloschen. Diese erfolgte dann tatsächlich am 7. Juni 1959, und seit diesem Tage führte Josef Schwaiger, der schon beim Turnhallenbau kräftig Hand angelegt hatte, den Verein als 1. Obmann. Erster Turnwart war Franz Zantler, der ein Jahr später in dieser Funktion von Lorenz Perktold abgelöst wurde. Vom Willen beseelt, dem jungen Verein seine alte Stärke und sein turnerisches wie gesellschaftliches Ansehen wieder zu verschaffen, wurde mit dem Turnbetrieb vorerst in der neu erbauten Hauptschule begonnen. Dass die Begeisterung im jungen Verein wieder ein hohes Niveau erreichte, bewiesen die Wattner Turnbrüder am besten durch die Ausrichtung des 1. Verbandsturnfestes des allgemeinen Turnverbandes Tirol, welches am 14. und 15. Juli 1951 mustergültig vom Turnverein Wattens durchgeführt wurde. Bald schienen in den Siegerlisten vor allem in der Leichtathletik und im Geräteturnen, aber auch bei den Skiwettläufen wieder Namen von Wattner Turnern und Turnerinnen auf. Der gesunde Leistungsgedanke übertrug sich auch auf die inzwischen geschaffenen starken Kindergruppen. In den Jahren 1954 und 1955 stellte der Turnverein Wattens u.a. die beste 4x100 Meter-Staffel Tirols, die Landesmeisterin im Turnen sowie den Landesmeister im Dreisprung. Ferner schienen 48 Wattner Turner und Turnerinnen sowie Jugendliche in der Bestenliste des Tiroler und Österr. Leichtathletikverbands auf.
Beim Turnfest 1953 in Hamburg war der Turnverein Wattens mit 48 Teilnehmern dabei. Neben der turnerischen Leistungsarbeit pflegte der Verein auch das gesellschaftliche Leben durch gut gelungene und immer beliebte Veranstaltungen. Dank hochherziger Unterstützung durch die Fa. Swarovski und unter Mitarbeit der Vereinsmitglieder konnte die Turnhalle 1955 durch den Anbau eines Geräteraumes erweitert werden. Dem damaligen Bürgermeister Ing. Adolf Puelacher aber war es zu danken, dass der Turnverein im Staatsvertragsjahr 1955 den gesamten Besitz wieder in sein Eigentum übertragen bekam und der Verein somit wieder Herr im eigenen Hause war.

Bis heute hat sich der sportliche Geist der Wattner Bürger nicht geändert und so wurde in den letzten Jahren beschlossen, die Turnhalle wieder zu vergrößern. Im Jahr 2002 wurde mit dem Abriss und dem Wiederaufbau der Turnhalle am Kreuzbichl begonnen. Im Mai 2003 wurde die neue Turnhalle fertig gestellt und feierlich eingeweiht. Im Jahr 2006 konnten wir unser 100 jähriges Bestehen feiern unter dem Motto: "100 Jahre Turnverein Wattens, ... und ich bin dabei!"